Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Čuevskij Adam

Čuevskij Adam

Gruppe 
Ostarbeiter/Ostarbeiterin
Herkunftsland 
Belarus
Geburtsort 
Kamenka, Bezirk Dzeržinsk
Beruf 
Bauarbeiter
Deportationsdatum 
1942 Juli
Unterbringung/Inhaftierung 
KZ Dachau
Schicksal 
Befreit durch amerikanische Truppen
Berichtsart 
Familiengeschichte

Das Vorkriegsleben

Adam Michajlovič Čuevskij ist 1925 im Dorf Kamenka, Bezirk Dzeržinsk geboren. Noch vor dem Krieg absolvierte er die siebte Klasse. Er plante in die Stadt zu ziehen und dort im Flugzeugwerk zu arbeiten.

Der Kriegsbeginn

Die ersten Kriegstage prägten sich in sein Gedächtnis dadurch, dass er zusammen mit den anderen Jungen den Sowjetsoldaten half, Saboteure zu fangen, die von Flugzeugen absprangen und untertauchen wollten.

Die Deportation

Am 21. Juli 1942 sammelten sich Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahre auf Befehl in einer Schule in Dzeržinsk. Adam wollte zu den Partisanen gehen, hatte aber Angst wegen seiner Angehörigen. Darum kam er wie die anderen in die Schule. Am nächsten Tag wurden alle Versammelten von der Eisenbahnstation Kojdanovo nach München geschickt, wo sie in einem Militärwerk arbeiten sollten. Schon nach drei Tagen floh Adam zusammen mit den anderen Zwangsarbeitern in den Wald, wo sie bald gefangen wurden. Als Strafe dafür wurde Čuevskij am 8. August 1942 ins KZ Dachau versetzt.

Im KZ wurden an den Häftlingen Versuche gemacht. Adam Michajlovič erinnert sich daran, wie viele danach am ganzen Körper zitterten und Fieber hatten. In diesem Zusammenhang vermutet er, dass Häftlinge absichtlich mit Krankheiten angesteckt wurden, um Behandlungsmittel zu entwickeln. Mit den anderen Häftlingen war Adam als Schubkraft in unterschiedlichen Lagern eingesetzt, im Winter räumten sie oft Schnee. Adam erinnert sich an die Ration, die KZ-Häftlinge kriegten: »[…] Brot war es 200 Gramm […] manchmal mit Sägemehl von einem Laubbaum, manchmal war es ganz, nicht umgerührt, also 200 Gramm abends, dazu noch Tee, ab und zu ein Stückchen Leberwurst, ungefähr so groß, also noch dieses Brot und Tee. Das war Tee aus Kräutern, die da wuchsen. […] Zu Mittag war es Sauerkraut, was wir hier im Herbst machen, gemischt mit Essigessenz. Das machte alles so sauer, dass wir uns zusammenkrampften.« (Projekt: International Slave and Forced Labourers Documentation Project; Datum des Interviews: 19. September 2005, Interviewer: Aliaksandr Dalhouski)

Die Befreiung

Adam Michajlovič Čuevskij wurde am 29. April 1945 durch amerikanische Truppen befreit. Es prägte sich ihm ein ins Gedächtnis, dass viele so abgemagert waren, dass sie nach einer Nahrungsaufnahme starben: »[...] Viele starben auch dadurch, dass  sie sich satt gegessen hatten, es wurden z.B. Nudeln gekocht, so nahm ich nichts, aß nichts.« (Ebd.) Nach einigen Monaten wurde Adam Michajlovič nach Österreich geschickt, wo er den russischen Truppen abgeliefert wurde. Danach war Čuevskij noch einige Zeit in einem Beutelager in der Nähe von Wien tätig. Ende 1946 kehrte er endlich nach Hause.

Das Nachkriegsleben

In der Nachkriegszeit war Adam Michajlovič zuerst als Putzer tätig, danach als Mitarbeiter in einem Torfbetrieb, später – Bauarbeiter. 1957 heiratete er Olga Aleksandrovna. Er hat zwei Söhne. Seit 1985 ist er Rentner. Adam Čuevskij leidet an Folgen des Krieges, er ist schwerhörig und einäugig.

Mitte 1990-er zwecks der Erhaltung von Entschädigungen schrieb er die Gedenkstätte Dachau an, die ihm eine Kopie seiner Registrierungskarte zuschickte.

Erstellt von den Mitarbeitern der Geschichtswerkstatt Minsk