Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Grünberg Isak

Grünberg Isak

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Österreich
Geburtsort 
unbekannt
Beruf 
Maurer
Deportationsdatum 
1942 Oktober 5
Unterbringung/Inhaftierung 
Lager Maly Trostinec
Schicksal 
Ende Juni 1944 ist Isak Grünberg aus dem Lager Maly Trostinec geflohen
Berichtsart 
Familiengeschichte

Isak Grünberg, geboren am 21. Oktober 1891, arbeitete in der Isrealitischen Kultusgemeinde Wien bei Ing. Strucks und Herrn Weiss. Im Jahr 1922 heiratete er seine Frau, mit der er bis zu ihrem Tod insgesamt 21 Jahre vermählt war, bei seiner Vernehmung 1962 gab er an, 40 Jahre mit ihr verheiratet zu sein (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Akte E 1557, Isak Grünberg, S. 1).

Er, seine Frau und seine drei Kinder, 18, 19 und 20 Jahre alt, wurden am 5. Oktober 1942 deportiert. Nach einer mehrtägigen Deportation kamen sie entweder am 9. Oktober in Maly Trostinec bei Minsk an. Dort wurde er von seiner Frau getrennt. Ihm war bekannt, dass Verstorbene entkleidet wurden und dementsprechend wusste er über den Tod seiner Frau Bescheid, als er ihren herrenlosen Mantel erblickte. Als Maurer und somit qualifizierter Arbeiter genoss Isak Grünberg im Lager Sonderrechte, die ihm letztlich die Flucht ermöglichten. Im Jahr 1944 gehörte er zu den letzten 80 bis 90 Lagerinsassen, die am Leben geblieben waren. Er nutzte die Chance, dass die Lagerwache ausgedünnt war wie auch seine Sonderrechte, die Lagerwachen frei passieren zu dürfen, und floh auf diese Weise mit einer seiner und einem weiteren Kind. Im Polizeibericht aus dem Jahr 1962 steht zwar, dass er bereits am 3. Juni 1943 mit zwei Kindern geflohen sei, aber in der eidesstattlichen Erklärung 1946 datiert er seine Flucht auf den 25. Juni 1944 (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Akte 20100/ 03567, Edith Grünberg). Zweites Datum ist plausibler, da erst zu diesem Zeitpunkt die von ihm beschriebene Ausdünnung der Lagerwachen erfolgte. Daher ist davon auszugehen, dass er am 25. Juni 1944 floh. Bei dem in Trostinec zurückbleibendem Kind handelte es sich vermutlich um Edith Grünberg, geboren am 21.09.1923, die dort bis zu ihrer Flucht am 29.06.1944 inhaftiert blieb (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Akte E 1557, Isak Grünberg, S. 1-4).

Erstellt von Nazim Diehl und Aliaksandr Dalhouski