Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Goldstein Alexander

Goldstein Alexander

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Österreich
Geburtsort 
Wien
Bildung 
Dr.
Beruf 
Lehrer
Deportationsdatum 
1942 August 31
Unterbringung/Inhaftierung 
-
Schicksal 
Am 4. September 1942 in Blagowschtschina/Maly Trostinec ermordet
Berichtsart 
Familiengeschichte

Alexander Goldstein wurde am 6. August 1887 als Sohn von Gabor (Gabriel) und Charlotte Goldstein in Wien geboren. Nach der Matura und dem Studium legte er im Jahr 1912 seine Lehramtsprüfung für Mathematik und Physik ab. Mit dem Probejahr fand er nur kurz Anstellung, für den Zeitraum des 1. Weltkrieges sind keine Aufzeichnungen zu finden gewesen. Ab 1919 jedoch arbeitete er wieder als Professor, von 1922 bis 1938 durchgehend am Realgymnasium Hagenmüllergasse im 3. Wiener Gemeindebezirk. (SSR für Wien, Personalakt Goldstein Alexander, Fragebogen) Im November 1921 heiratete er Margarethe, die Ehe blieb allem Anschein nach  kinderlos. (SSR für Wien, Personalakt Goldstein Alexander, Anzeige über Verheiratung) Nach der erzwungenen Versetzung in den „dauernden Ruhestand“ im Jahr 1938 wurde er mit der Leitung der Knaben- und Mädchenhauptschule für jüdische PflichtschülerInnen an der Stumpergasse 56 im 6. Bezirk betraut. (SSR für Wien, Personalakt Goldstein Alexander, Z.I. 6094/38) Diese Lehranstalt, die im Dezember 1939 am Standort Albertgasse 52 untergebracht war, leitete er auch noch Ende 1939. (A/W 1572 Schulen für jüdische Kinder nach dem Stande vom 6. Dezember 1939) Bei der Einrichtung der „Sperlschule“ nannte ihn Direktor Weiss einen „ausgezeichneten Lehrer“, der laut eigenen Angaben „zwei arme Verwandte“ finanziell unterstützte. (A/W 1573,1 Betrifft Weiterverwendung an der V und Hschule II., Sperlgasse 2a)

Dr. Alexander Goldstein wurde am 31. August 1942 nach Maly Trostinec deportiert und dort am 4. September ermordet. (Opferdatenbank DÖW)

Seine Ehefrau, Margarethe Goldstein, überlebte den Holocaust und suchte um „Rehabilitierung“ ihres Gatten an. Die Witwe musste – wie auch jene Karl Franks – zunächst versuchen, das Schicksal ihres Ehemannes zu klären, dies geschah in diesem Fall durch Einholung von Zeugenaussagen über seinen Verbleib.

Die verschriftlichten Aussagen eines Freundes, des damaligen Landesschulinspektors, seien hier im Original zitiert. Der Besagte wusste, „dass Prof. Goldstein an einem schweren Kropfleiden (Basedow) litt. Da er für irgendeine Arbeitsverwendung bestimmt nicht in Betracht gekommen ist (sein Herz war auch recht schlecht), ist mit Sicherheit anzunehmen, dass er sehr bald nach seinem Eintreffen in Polen (Riga war zweifellos nur ein Vorwand) als unnützer Esser umgebracht worden ist“. (SSR für Wien, Personalakt Goldstein Alexander, Aussage Landesschulinspektor)

Verbunden mit einer weiteren Zeugenaussage wurde Alexander Goldsteinschließlich für tot erklärt, eine „Rehabilitation“ erfolgte, jedoch nicht die Ernennung zum Direktor, worauf der ursprüngliche Antrag gelautet hatte. Diese, mit höheren Pensionsansprüchen verbundene Ernennung, wurde vermutlich auch deswegen abgelehnt, da die Witwe noch während der Verhandlungen verstorben war. (SSR für Wien, Personalakt Goldstein Alexander, Betr.: Prof. Alexander Goldstein, Rehabilitierung)

Die vorhandenen Schriftstücke lassen noch eine weitere Aussage zu. Die Ausführungen des Landesschulinspektors überraschen in der Klarheit und Ehrlichkeit der Sprache hinsichtlich der Vermutungen über den Verbleib und das Schicksal seines Bekannten, vor allem im Vergleich mit den verklausulierten Formulierungen, welche in der „Akte Frank“ verwendet worden waren. Diese klaren Worte waren vermutlich auch den Bemühungen um die Anerkennung der höheren Pensionsansprüche geschuldet. Wie eng die beiden wirklich befreundet  waren, kann nicht mehr eruiert werden. In jedem Falle besuchte der besagte Landesschulinspektor Dr. Alexander Goldstein noch Ende 1941, ob dies für ihn zu diesem Zeitpunkt ein Wagnis dargestellt hatte, bleibt unklar.

© Markus Brosch