Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Pollack Josef

Pollack Josef

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Tschechische Republik
Geburtsort 
unbekannt
Beruf 
unbekannt
Deportationsdatum 
1942 August 4
Unterbringung/Inhaftierung 
Lager Maly Trostinec
Schicksal 
Flucht am 29. Juni 1944 aus dem Lager Maly Trostinec
Berichtsart 
Familiengeschichte

Josef Pollack, wurde am 29.9.1924 geboren. Über sein Leben vor seiner Deportation können aufgrund der lückenhaften Quellenlage keine Aussagen getroffen werden.

Am 27. Juli 1942 wurde er von Prag nach Theresienstadt und kurz darauf, am 4. August 1942 von dort nach Maly Trostinec deportiert. Josef Pollack wurde der Zwangsarbeit in der Mehlmühle im Lager Maly Trostinec zugeteilt. Ihm war es seitens der Lagerwachen gestattet gegen eine Abgabe von 5% Weizen für die Bewohner anliegender Dörfer zu mahlen. Dadurch geriet Josef Pollack regelmäßig in Kontakt zu Dorfbewohnern und konnte so Gegenstände eintauschen, da er ein bisschen Russisch sprechen konnte. Eines Tages wurden ihm von einem Dorfbewohner zwei Pistolen zum Tausch angeboten. Dies erzählte Josef Pollack seinem Freund und Mithäftling Alfred Seiler. Danach trieben sie gemeinsam ausreichend Geld und Wertsachen auf, um den Handel einzugehen. Alfred Seiler trug seine Pistole fortan immer in einem seiner Schuhe mit sich herum; was Josef Pollack mit seiner Waffe machte und wie er sie versteckte ist unklar (Alfred Seiler: From Hitler's Death Camps to Stalin's Gulags, 2010, S. 77).

Am 29. Juni 1944 floh Josef Pollack gemeinsam mit seinem Vater und allen vier Mitglieder der Familie Seiler sowie Julie Sebek aus Maly Trostinec (Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands, Akt 22.583, Julie Sebek).

Im Anschluss der Flucht aus Maly Trostinec am 29. Juli 1944 wurde Josef Pollack, sein Vater, die Seilers, Julie Sebek wie auch Ludwig Gutmann von sowjetischen Truppen aufgegriffen und zunächst in Kasnogorsk festgehalten (Alfred Seiler: From Hitler's Death Camps to Stalin's Gulags, 2010, S. 92). Ihr Status als in Maly Trostinec inhaftierte Juden wurde seitens der sowjetischen Behörden nicht anerkannt, da bereits zuvor viele Deutsche mit einem „J“ für Jude im Pass in die Sowjetunion flohen, diese sich aber im Nachhinein oftmals als Spione herausgestellt haben sollen. Die unmittelbare Folge war, dass jeder einzelne von ihnen wegen „Spionage“ und als „allgemein gefährliches Individuum“ verurteilt wurde (Ebenda, S. 93).

Es erfolgte ihre Deportation nach und Inhaftierung in Karaganda-Ugolnaya, einer sowjetischen Haftanstalt in Karaganda. Nach knapp drei Jahren in sowjetischer Haft erhielten sie am 2. Februar 1947 die Nachricht ihrer baldigen Entlassung zugestellt (Ebenda, S. 102f.).

Erstellt von Nazim Diehl und Aliaksandr Dalhouski