Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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König Alma Johanna

König Alma Johanna

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Tschechische Republik
Geburtsort 
Prag
Bildung 
unbekannt
Beruf 
Schriftstellerin
Deportationsdatum 
1942 Mai 27
Unterbringung/Inhaftierung 
-
Schicksal 
Ermordet in Blagovščina/Malyj Trostinec
Berichtsart 
Familiengeschichte

Karriere als Schriftstellerin

Alma Johanna König wurde am 18. August 1887 in Prag geboren. Wenige Monate danach zog sie mit ihrer Mutter nach Wien. Ihre ersten Gedichte veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Johannes Herdan in verschiedenen Zeitschriften. Am 01. Juli 1918 erschien ihr erster Gedichtband „Die Windsbraut“ unter richtigem Namen, 1920 folgte die Erzählung „Schibes“ und 1922 „Die Lieder der Fausta“. 1922 vermählte sie sich mit Freiherrn von Ehrenfels und zog anschließend mit ihm nach Algier, wo er als österreichischer Konsul wirkte. Im gleichen Jahr veröffentliche sie den Roman „Der heilige Palast“, 1924 „Die Geschichte von Half dem Weibe“ und 1928 „Gudrun Stolz und Treue“. Für zweiten Wikinger-Roman erhielt sie den Literaturpreis der Stadt Wien verliehen. Dort lebte sie fünf Jahre und kam weitere drei Jahre später nach Wien zurück. Diesmal jedoch alleine, denn sie hatte sich von ihrem Mann scheiden lassen (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Akte 3567, Alma Johanna König). Nach ihrer Rückkehr nach Wien arbeitete sie als Feuilletonistin der Wiener Tageszeitungen Neue Freie Presse und Neues Wiener Tagblatt. Nach 1933 hatte sie keine Möglichkeit mehr in Deutschland zu publizieren, wo ihre Bücher ebenfalls verboten wurden. In Österreich wurden ihre Texte zunehmend seltener veröffentlichte, sodass sich auch finanzielle Engpässe ergaben. Nach 1938 wurde sie aus ihrer Wohnung vertrieben (Alma Johanna Koenig, in: stifterverein.de).

Deportation

1942 wurde sie verhaftet und in dem Sammellager Sperlgasse in Wien festgehalten, das exakte Datum ist jedoch nicht bekannt. Ihre Deportation nach Trostinec erfolgte am 27.05.1942. Über ihren dortigen Aufenthalt lassen sich keine weiteren Rückschlüsse ziehen, doch in ihrem letzten Brief vor ihrer Ermordung 1942 äußerte sie sich folgendermaßen über ihre ausweglose Lage:

„Ich will versuchen, aufrecht in meine Zukunft zu gehen, die so schwarz ist, wie jenes Tor in das die trauernden Gestalten des Christinendenkmals in der Augustinerkirche eingehen. Ich bin glücklich, dass Gott mich mein Golgatha allein durchleiden lässt und dass ich niemandem schade, denkt an mich nicht anders als einen Soldaten, der ins Feld zieht.“ (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Akte 3567, Alma Johanna König)

Nachleben

Ihre schriftstellerische Betätigung riss auch bis zu ihrer Verhaftung nicht ab und ihr letztes Werk „Der jugendliche Gott“ vollendete sie noch in Haft, doch dieses und weitere ihrer Werke erschienen erst nach Ende der nationalsozialistischen Herrschaft 1946 (Ebenda; Alma Johanna Koenig, in: stifterverein.de). Unter Leitung von Dr. Ferdinand Wernig wurde ihr zu Ehren 1957 eine Ausstellung in der Wiener Stadtbibliothek eröffnet. Zehn Jahre später schrieb der Schriftsteller und ihr Nachlassverwalter Oskar Jan Tauschinski im Andenken an sie den Alma Johanna König-Preis aus (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Akte 3567, Alma Johanna König).

Erstellt von Nazim Diehl und Aliaksandr Dalhouski