Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Gurevič Maja

Gurevič Maja

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Belarus
Geburtsort 
Minsk
Beruf 
unbekannt
Unterbringung/Inhaftierung 
Minsker Ghetto
Schicksal 
Rettung durch Flucht
Berichtsart 
Familiengeschichte

Das Vorkriegsleben

Maja Tevelevna Abramovič, geb. Gurevič, kam 1937 in einer großen und einigen jüdischen Familie in Minsk zur Welt. Ihre Familie bestand aus dem Vater Tevel Kalmovič, der Mutter Emma Moiseevna, dem Bruder Haim, 1925, und ihr. Die Familie wohnte in der Internatsionalnaja-Straße. Daneben wohnte der Bruder von dem Vater Lasar Kalmovič mit seiner Familie und die Großmutter mütterlicherseits Minja Rubina.

Der Kriegsbeginn

Während der ersten Luftangriffe versuchte Tevel Kalmovič mit seinem Bruder Lasar vergebens einen Transport für die Evakuierung der Familie zu organisieren. Innerhalb von kurzer Zeit wurde die Stadt mit den deutschen Truppen besetzt und, wie Maja Gurevič betont, ihre Familie verspürte ein »besonderes« Verhältnis zu den Juden, das in der Einrichtung eines Ghettos ausgeprägt war.

Das Leben im Minsker Ghetto

Die Familie von Maja Gurevič zusammen mit der Familie von dem Bruder ihres Vaters Lasar Kalmovič und der Großmutter wurden in einem Zimmer im Ghetto untergebracht. Zur Arbeit gingen der Vater, der Onkel und die Mutter von Maja. Jeden Morgen marschierten sie in den bewachten Kolonnen zur Arbeit zur Güterstation. Vor dem Gehen hatte die Familie Gurevič Angst sich nie wiederzusehen, weil Pogrome im Ghetto und Erschießungen der Arbeiter immer unerwartet waren und sie vorauszuahnen war praktisch unmöglich. Ausgerechnet so verlor Maja Gurevič ihren Vater. Sie erinnert sich: »Am 25. November 1941 wurden Männer getrennt zur Arbeit hinausgeführt. In dieser Kolonne war auch mein Vater und Onkel. Am Abend erfuhren wir vom Onkel, dass der Vater nicht mehr lebt. Der Onkel erzählte, dass die Kolonne in die Šornja-Straße gebracht wurde, dann kam das Kommando: 'Kommunisten, vorwärts!' Mein Vater war Kommunist, was passierte ihm, woran dachte er in diesem Moment oder versagte einfachsein Kopf, er und noch ein paar Leute traten nach vorne. Sie wurden sofort erschossen, und der Onkel fiel auf die Knien und war ohnmächtig – alles ereignete sich vor seinen Augen. Daneben stehende packten ihn und schleppten zur Arbeit. Durch ein Wunder blieb er am Leben, und wir verloren unseren Vater.« (Krapina M.I., Kurdadze T.S., Murachovskij Ja.M., Rejzman F.B., Trachtenberg V.L.: My pomnim! Miru pomnit' saveščaem … Minsk 2012, S. 28) Der Onkel Lasar Kalmovič sorgte um die Familie seines Bruders. Während des Pogroms vom 28. Juni 1942, der vier Tage dauerte, versteckten sich Maja Gurevič mit seinem Bruder und der Großmutter auf dem Dachboden. Durch einen glücklichen Zufall schaute keiner aus dem Strafkommando dahin. Als am vierten Tag die Arbeiterkolonnen wieder zurückkehrten, viele fanden ihre Verwandten tot und ihre Häuser zerschlagen. Bald starb die Großmutter von Maja, die von der unendlichen Gewalt im Ghetto erschüttert war. In dieser Zeit suchte der Bruder von Maja Haim aktiv die Leute, die seiner Familie helfen konnte, zu den Partisanen zu flüchten. Aber unter unbekannten Umständen war er von einem Polizisten erschossen. http://www.sb.by/post/148214/

Die Flucht aus dem Minsker Ghetto

Maja Gurevič war Zeuge, wie große LKWs ins Ghetto kamen und dessen Einwohner in der unbekannten Richtung wegbrachten. Am 21. September 1943 hatte sie und ihre Mutter das gleiche Schicksal. So beschreibt Maja Gurevič diese Ereignisse: „Das Auto war voll von Kindern und Frauen. Wir wurden durch menschenleere Straßen gefahren, und wir verabschiedeten uns voneinander. Als das Auto auf den schmalen Feldweg hinausfuhr, schlug eine Frau meiner Mutter vom Auto abzuspringen. Man hatte große Angst, aber die Hoffnung war da. Wenn man nicht riskiert, ist man bald tot. Es kann auch eine schlechte Landung sein, oder man hatte Glück. Meine Mutter und noch zwei weiteren Frauen ließen die Kinder herab, dann sprangen sie selbst vom Auto.“ (My pomnim! Miru pomnit' saveščaem … S. 29) So retteten sich Maja Gurevič und ihre Mutter. Nach der Flucht versteckten sie sich tagsüber im Wald, nachts gingen sie der Nase nach. Maja erinnert sich, dass sie oft auf ihrem Weg guten Menschen begegneten, die sie versteckten, gaben was zu essen und damit verhalfen sie schließlich die Befreiung von Belarus zu erleben.

Das Nachkriegsleben

Nach der Befreiung kehrte Maja Gurevič zusammen mit ihrer Mutter in das zerstörte Minsk zurück, ihr Haus war glücklicherweise nicht geschädigt. Bald kamen aus verschiedenen Partisanenabteilungen die Tante von Maja Raja Rubina und der Onkel Lazar Gurevič mit ihren Kindern Maja und Roman. Alle anderen Verwandten aus der Familie Gurevič kamen im Ghetto ums Leben.

Erstellt von den Mitarbeitern der Geschichtswerkstatt Minsk