Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Gebelev Michail

Gebelev Michail

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Belarus
Geburtsort 
Uzljany, Bezirk Puchoviči
Beruf 
Tischler, Instrukteur-Propagandist
Unterbringung/Inhaftierung 
Minsker Ghetto
Schicksal 
Erhängt
Berichtsart 
Familiengeschichte

Das Vorkriegsleben

Michail Gebelev wurde 1905 in der Ortschaft Uzljany, Bezirk Puchoviči, Gebiet Minsk geboren, er war das fünfte Kind in der Familie. Seine Mutter Hasja Gebeleva starb früh an Typhus. Sein Vater Lejba Gebelev war Tischler. Michail hatte von Kindheit an auch wie sein Vater eine Vorliebe für die Tischlerei und widmete der seine ganze schulfreie Zeit. 1927 wurde Michail zum Wehrdienst einberufen, wo er eine Regimentsschule absolvierte. 1929 heiratete Michail Hasja Bunim und übersiedelte nach Minsk. Dort fand er die Stelle eines Tischlers im großen Molotov-Werk, parallel lernte er in der republikanischen Parteischule bei dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Bolschewiken von Belarus. Nach dem Abschluss wurde Michail L'vovič Instrukteur-Propagandist im Bezirkskomitee der Partei. http://www.newsvm.com/wp_archive/news/26/---37408/ Die junge Familie von Gebelev plante einen Umzug in eine separate Wohnung, der Krieg zerstörte aber ihre Pläne.

Der Kriegsbeginn

Am 24. Juni ließ Michail L'vovič seine Familie in dem Bombenkeller und begab sich laut dem Einberufungsbefehl zu einer Sammelstelle in Uruč'e. Die meisten Einberufenen wurden von da aus nach Borisov geschickt, Michail Gebelev blieb aber im Auftrag (der Partei) in Minsk. http://www.newsvm.com/wp_archive/news/26/---37408/ Als er zurück zum Bombenkeller kam, war die Familie nicht mehr da. Hasja und die Kinder wurden von ihrer jüngeren Schwester Bluma evakuiert.

Der Untergrundkampf im Minsker Ghetto

Seit den ersten Monaten im Ghetto nahm Michail L'vovič aktiv an der Untergrundarbeit teil. An die Tätigkeit ihres Vaters erinnert sich seine Tochter Svetlana Gebeleva: »Ende 1941 wurde im Ghetto ein einheitliches Untergrudszentrum gegründet. An der Spitze dieser Organisation standen Michail Gebelev, Girsch Smoljar und Matvej Pruslin. […] Michail Gebelev war zuständig für die Knüpfung der Verbindungen zwischen den Illegalen im Ghetto und der städtischen Untergrundorganisation. Er war einer der Gründer der illegalen Druckerei vom Minsker Untergrundstadtkomitee, er organisierte den Empfang und Verbreitung der Meldungen der Nachrichtenagentur Sovinformbüro, leitete die Flucht der Ghettohäftlinge in die Partisanenabteilungen.« (Gebeleva S.M.: Ein langer Weg zu der gewünschten Straße, Minsk 2010, S. 23) Michail L'vovič war bekannt für seine Tapferkeit, er wurde auch dafür »ein furchtloser German« genannt. http://www.vestnik.com/issues/1999/0511/koi/gebel.htm Gerade er war einer der Initiatoren der Gründung des eigenen jüdischen Partisanenstützpunktes im Satarosel'skij-Wald bei Zaslavl'. Der Historiker David Melzer betont die Bedeutung dieser Entscheidung so: »Dank der Anstrengungen des Untergrundkomitees im Minsker Ghetto, das von Michail Gebelev geleitet wurde, klappte es, für etwa 10 000 Menschen die Flucht zu organisieren. […] in keinem anderen Ghetto Europas wurden so viele Leute gerettet.« (Ebd., S. 34)

Im Juli 1942 während der massenhaften Festnahmen in Minsk wurde auch Michail Gebelev verhaftet. Darüber erzählt Svetlana Gebeleva: »Furchtlos erschien er in unterschiedlichen Stadtbezirken, dadurch konnte er die Beschattung nicht entgehen […]. Eine weitere Gruppe der Gefangenen wurde zu der Partisanenabteilung namens Budënnyj geschickt. Im LKW war noch ein Platz frei. Der Vater sollte fahren. In diesem Moment sah er seinen Landsmann aus Uzljany Simon Schnejder. 'Fahr du, Simon', sagte Schnejder, - 'Ich fahre nächstes Mal'. Das nächste Mal gab es nicht. Er wurde in der Nähe von der Stelle verhaftet, wovon die Gruppe zu den Partisanen abfuhr.« (Ebd., с. 35) Alle Versuche des städtischen Untergrundkomitees Michail L'vovič zu retten klappten nicht. Im September 1942 wurde Michail Gebelev, der damals nicht einmal 37 war, im Minsker Gefängnis erhängt. Das genaue Datum und die Grabstätte sind bis heute unbekannt.

Im Mai 1965 zu dem 20. Jahrestag des Sieges wurde Michail Gebelev postum mit dem Orden des Vaterländischen Krieges des 2. Grades ausgezeichnet. http://zemliakychicago.org/archiv/0513/eshe%20odin%20o%20borbe.html

Nach zahlreichen Briefen und Publikationen vieler Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, der Tochter von Michail Svetlana und des öffentlichen Schreibens an die belarussischen Behörden von der Chicagoer Assoziation der Veteranen des Zweiten Weltkrieges wurde Mebelnyj Pereulok (Mebelnyj-Gasse) 2005 von der Stadtverwaltung anlässlich des 60. Jahrestages des Sieges in die Michail-Gebelev-Straße umbenannt. http://mk.by/2009/01/15/3305/

Erstellt von den Mitarbeitern der Geschichtswerkstatt Minsk