Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Eber Anna

Eber Anna

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Belarus
Geburtsort 
unbekannt
Beruf 
unbekannt
Unterbringung/Inhaftierung 
Minsker Ghetto
Schicksal 
Rettung durch Flucht zu den Partisanen
Berichtsart 
Familiengeschichte

Das Vorkriegsleben

Vor dem Krieg wohnte die Familie von Anna Eber, bestanden aus ihrer Mutter, dem Stiefvater und dem Bruder in Minsk.

Das Leben im Ghetto

Nach der Bildung von Ghetto sollte Anna mit ihren Verwandten gar nicht umziehen, weil der Stadtbezirk, wo sie wohnten, ein Teil Minsker Ghetto wurde. Schon an den ersten Tagen nach der Bildung von Ghetto wurde Annas Stiefvater ermordet.

Anna war zusammen mit ihrer Mutter bei der Eisenbahn tätig. Da verrichteten sie unterschiedliche Ladearbeiten. Dabei waren alle Familienmitglieder ständig hungrig und krank. Anna erinnerte sich daran: »Meine Mutter, mein Bruder und ich überstanden wegen Unterernährung und dreckiger Lebensmittel Bauchtyphus. Als ich einmal riskierte, das Ghetto zu verlassen und in den russischen Bezirk zu gehen, um Sachen gegen Lebensmittel zu tauschen, wurde ich von den Polizisten gefangen und zum Reviergebracht, wo ich 25 Schläge mit einem Putzstock auf den Rücken kriegte. Den Schmerz fühle ich bis heute noch.« ("Erstandene aus Asche." Ein Erinnerungsbuch der Ghetto- und KZ-Häftlinge, New York 2013, S. 187)

Während der Pogrome versteckte sich die Familie von Anna in einem geheimen Zimmer. An das ständige Angstgefühl, das unabdingbar bei dem Überleben im Ghetto war, erinnerte sich Anna so: »Im Ghetto hatten wir große Angst, außer Pogrome gingen Polizisten und Deutsche nachts durch das Ghetto, drangen stichprobenweise in die Wohnungen ein und töteten alle gnadenlos da – Kinder und Alte.« (Ebd.)

Die Flucht aus dem Ghetto

Im Sommer 1943 erklärte Katerina Perčonok, die Bekannte von Anna Eber, wie sie eine Flucht organisieren und zu den Partisanen gelangen konnten. Jener Weisungen folgend flohen Anna zusammen mit dem Bruder, der Mutter und Bekannten, die sich ihrer anschlossen, aus dem Ghetto. Die Befreiung von Minsk erlebten sie in der Partisanenbrigade № 106 von Šolom Zorin.

Zusammengestellt von den Mitarbeitern der Geschichtswerkstatt Minsk nach dem Erinnerungsbuch der Ghetto- und KZ-Häftlinge "Erstandene aus Asche", New York 2013