Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Blum Else

Blum Else

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Deutschland
Geburtsort 
Dortmund
Beruf 
Schneiderin
Deportationsdatum 
1941 November 8
Unterbringung/Inhaftierung 
Minsker Ghetto
Schicksal 
Todesdatum und -umstände unbekannt
Berichtsart 
Familiengeschichte

Else Blum, geb. Eisenstein, geb. 28.4.1910, am 8.11.1941 nach Minsk deportiert

Karl Blum, geb. 27.11.1907, am 18.11.1941 nach Minsk deportiert

Ruth Eisenstein, geb. 16.1.1931, am 8.11.1941 nach Minsk deportiert

Heitmannstraße 68

Else Eisenstein kam als Tochter des Zimmermanns Gustav Eisenstein und seiner Ehefrau Emmi, geb. Meyer, in Dortmund zur Welt. Das Ehepaar Eisenstein hatte noch zwei weitere Kinder, Hilde­gard und Günther. Nach dem Besuch der Volksschule machte Else eine Lehre zur Schneiderin.

1930 verließ Else Eisenstein ihre Heimatstadt, um nach Göttingen zu ziehen. Am 16. Januar 1931 kam hier ihre erste Tochter Ruth zur Welt. Der Vater des Kindes ist nicht bekannt. Mut­ter und Tochter verschlug es von Göttingen nach Hamburg, wo sie ab 1934 offiziell gemeldet waren. Ihre erste Adresse war am Steindamm 12. In Hamburg fand Else zunächst eine Anstellung als Schneiderin und arbeitete später als Hausangestellte. Hier traf Else Eisenstein den Arbeiter Erwin Albert Carl Uterhardt. Die beiden verliebten sich und heirateten am 20. Juli 1935 standesamtlich.

Erwin Uterhardt war evangelisch. Die Familie musste oft umziehen. So lebte sie anfangs in der Heimhuderstraße 27, dann in der Hammer Landstraße 17, in der Isestraße, der Angerstraße und ab dem 25. Oktober 1939 in der Heitmannstraße 68, ihrer letzten Adresse in Hamburg. Ruth Eisenstein wurde 1937 in die Mädchenvolksschule in der Angerstraße 33 eingeschult und musste zwei Jahre später zur Jüdischen Mädchenschule wechseln. Erwin und Else hatten auch gemeinsame Kinder, ihre Tochter Edith Ilse kam am 15. März 1937 zur Welt und die zweite Tochter Alice wurde am 13. September 1940 geboren. Seit 1938 war Else Uterhardt arbeitslos und die finanzielle Situation der Familie dementsprechend schwierig.

Die Ehe von Erwin und Else scheiterte und wurde am 21. Februar 1941 geschieden. Das Sorgerecht für beide Kinder erhielt Erwin Uterhardt. Edith verbrachte einen Teil ihrer Kindheit und Jugend in Kinder­heimen. Alice lebte bis zu ihrer Heirat 1966 in einer Hamburger Pflegefamilie.

Am 27. Juni 1941 heiratete Else den jüdischen Bauhilfsarbeiter Karl Blum und zog mit ihm zusammen. Trauzeugen waren Siegfried Rosenblum und Max Piltz. Karl Blum stammte aus Idstein in Hessen und war der Sohn des Ehepaares Jonas und Zerline Blum, geb. Goldschmidt.

Else Blums letzte Arbeitsstelle war die Jute-Fabrik Stein in Bahrenfeld, wo sie Säcke nähte. Am 8. November 1941 wurden Else und Ruth Eisenstein ins Getto nach Minsk deportiert. Karl Blum folgte ihnen zehn Tage später am 18. November. Keiner von ihnen kehrte zurück.

Auf dem Transport von Hamburg nach Minsk am 8. November 1941 befanden sich auch die Trauzeugen von Karl und Else Blum. Sowohl Siegfried Rosenblum als auch Max Piltz gelten seit­her als verschollen.

Elses Eltern Gustav und Emmy Eisenstein kamen ebenfalls im Holocaust um. Sie wurden am 27. Januar 1942 von Dortmund ins Getto nach Riga deportiert. Erwin und Elses gemeinsame Töchter Edith und Alice überlebten den Holocaust.

© Carmen Smiatacz

Diese Biographie entstand im Rahmen des Projektes „Stolpersteine in Hamburg – biographische Spurensuche“ unter Leitung von Dr. Rita Bake (Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg) und Dr. Beate Meyer (Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg).