Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

Erinnern, lernen, forschen am historischen Ort

Sie sind hier

Ambor Josepha

Ambor Josepha

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Deutschland
Geburtsort 
Altona
Beruf 
unbekannt
Deportationsdatum 
1941 November 8
Unterbringung/Inhaftierung 
unbekannt
Schicksal 
Todesumstände unbekannt
Berichtsart 
Familiengeschichte

Josepha Ambor, geb. Nathan, geb. 3.2.1875 in Altona, deportiert nach Minsk am 8.11.1941

Zwei Häuser weiter als Familie Müller wohnte Cäcilie Müllers Mutter, Josepha Ambor, zur Untermiete bei Familie Meyer. Nachdem ihr Schwiegersohn den Deportationsbefehl erhalten und sich ihre Tochter mit der kleinen Denny für den Transport "freiwillig" gemeldet hatte, trat Josepha Ambor mit ihnen den Weg nach Minsk an, obwohl ihr Name nur auf der Reserveliste stand. Sie wollte nicht allein zurückbleiben und meinte, wie ihre Urenkelin aus der mündlichen Familienüberlieferung berichtet, sie könne schließlich mit 65 auch noch arbeiten. Wie die meisten ihrer Leidensgefährten konnte sie sich das Ausmaß des Elends, in das sie fuhr, nicht vorstellen.

Josepha Ambor wurde in Altona geboren, ihr sechs Jahre älterer Ehemann Jakob kam aus der Nähe von Bielitz, das damals zu Polen gehörte. Seine Einbürgerung im Jahre 1926 verlief nicht ohne erhebliche antisemitische Widerstände (siehe Henry Chassel, Isestraße 69). Er starb 1935. Josepha Ambor brachte fünf Söhne und eine Tochter zur Welt. Der älteste Sohn, Fritz Raphael, starb schon kurz nach seiner Geburt im Jahre 1902. Seine Brüder Richard Ruben (geboren 1903) und Otto (geboren 1904) überlebten die Schoah. Otto wanderte bereits 1927 nach Südafrika aus.

Jakob Ambor besaß einen metallverarbeitenden Betrieb in der Spaldingstraße, in dem Bewässerungsanlagen aus vorgefertigten Teilen hergestellt wurden. Auf einen Teil seiner Produkte besaß er die Patente. Bis zu neun Mitarbeiter waren in der Firma beschäftigt. Der Sohn Hans Joseph Salomon, genannt Hans, übernahm die Firma nach dem Tod des Vaters und führte sie bis zur "Arisierung" im November 1938.

Der Weg aus gediegenem Wohlstand in Not und Ungewissheit hatte für Josepha Ambor schon bald nach dem Tod ihres Mannes begonnen. Sie musste die schöne Parterrewohnung am Loogestieg 15 aufgeben. Diese letzte gemeinsame Wohnung des Ehepaares war zum Lebensmittelpunkt der großen Familie geworden, obwohl nicht mehr alle Geschwister bei den Eltern lebten.

Die Ambors waren nach einer Zeit im preußischen Blankenese 1920 nach Hamburg zurückgekehrt und hatten in der Parkallee und in der Lenhartzstraße gewohnt, bevor sie an den Loogestieg zogen. In der Haynstraße fand Josepha Ambor mit ihrem Sohn Adolf ein neues Zuhause, bis Adolf 1939 seinem Bruder Hans nach Belgien folgte. Hans war 1938 von einer Geschäftsreise dorthin nicht zurückgekehrt und versuchte, aus der Ferne seine nichtjüdische Frau Gertrud und seinen 1927 geborenen Sohn Hans-Günther zu unterstützen.

Der ältere Bruder Richard, mit einer Nichtjüdin aus dem Elsass verheiratet, befand sich zu dieser Zeit schon mit Frau und Sohn in Frankreich. Die Familie konnte sich dort in einem kleinen Dorf im Périgord, dem heutigen Départment Dordogne, verstecken und überlebte. Die Brüder Hans und Adolf wurden von Belgien über Frankreich nach Auschwitz und Majdanek deportiert, wo sie ermordet wurden.

Josepha Ambor zog aus der Haynstraße zur Untermiete in die Isestraße, zunächst gemeinsam mit ihrer Tochter Cäcilie ins Haus Nr. 96, im Sommer 1939 dann in die Isestraße 61 zum Ehe­paar Meyer.

Gleichzeitig mit ihren Vermietern und deren Sohn wurde sie von dort aus deportiert. Ihre Tochter Cäcilie musste mit ihrem Mann und der kleinen Denny aus der Isestraße 90 zum Sammelpunkt gehen (siehe Isestraße 57 und Isestraße 90).

Für Hans Ambor befindet sich ein "Stolperstein" am Hammer Berg 34, außerdem ist sein Name in Paris an der Gedenkwand für die aus Frankreich deportierten Opfer zu lesen. An Adolf Ambor erinnert ein "Stolperstein" in der Haynstraße 21.

© Christa Fladhammer

Diese Biographie entstand im Rahmen des Projektes „Stolpersteine in Hamburg – biographische Spurensuche“ unter Leitung von Dr. Rita Bake (Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg) und Dr. Beate Meyer (Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg).