Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Rogačevskaja-Dulevič Aleksandra

Rogačevskaja-Dulevič Aleksandra

Gruppe 
Gerechte unter den Völkern
Herkunftsland 
Belarus
Geburtsort 
unbekannt
Beruf 
unbekannt
Unterbringung/Inhaftierung 
verschiedene Lager in Frankreich
Schicksal 
Verschleppung in Zwangsarbeit und Konzentrationslager sowie die Verleihung des Ehrentitels »Gerechte unter den Völkern«
Berichtsart 
Familiengeschichte

Das Leben vor dem Krieg

Vor dem Krieg wohnte Aleksandra Rogačevskaja, geb. 1907, mit ihren Eltern und zwei Töchtern in Minsk. Ihre Mutter war gebürtige Jüdin, die sich aber schon lange vor Kriegsbeginn hatte taufen lassen und Christin geworden war. Enge Freundschaft verband sie mit ihren Nachbarn, der jüdischen Familie Epstein.

Der Krieg

Zu Beginn des Krieges wurde die Familie Epstein evakuiert, allerdings unvollständig:  Die Eltern konnten ihren Sohn Vladlen nicht rechtzeitig aus dem Pionierlager abholen. Als er zurück nach Minsk kam, fand er zu Hause niemanden vor. Vladlen wurde bald festgenommen und ins Minsker Ghetto gebracht.

Vladlens Rettung aus dem Ghetto ist in hohem Maße der Familie Rogačveskij zu verdanken. Unter anderem Aleksandra Rogačveskaja gab Vladlen regelmäßig zu essen und gewährte an Tagen, an denen die Gefahr eines Pogroms besonders groß war, Unterschlupf. Zu diesem Zweck war im Dachboden ihres Hauses ein Versteck eingerichtet, in dem außer Vladlen auch andere jüdische Familien Zuflucht fanden.

Weil sie das gewaltvolle Ende des Minsker Ghettos vorausahnte, verhalf Aleksandra Rogačveskaja Vladlen Epstein im Frühjahr 1943 zu neuen Ausweispapieren, die ihm einen belarusischen Namen bescheinigten. Anschließend unterstützte sie ihn dabei, die Stadt zu verlassen. Vladlen konnte in den westlichen Teil von Belarus gelangen, wo er sich bis zur Befreiung verbarg. Aleksandra Rogačveskajas Aktivitäten blieben nicht unbemerkt von der Okkupationsmacht. Im November 1943 wurde sie nach einer Anzeige verhaftet und zur Zwangsarbeit nach Frankreich geschickt. Sie überlebte drei Konzentrationslager und kehrte im September 1945 zurück.

Das Leben nach dem Krieg

Aleksandra Rogatschewskaja starb 1972. Im Dezember 2001 kam es zur Würdigung ihres Handelns während der Besatzung: »[A]uf Beschluss der Sonderkommission der nationalen Holocaust-Gedenkstätte 'Yad-Vashem' wurde Aleksandra Rogačevskaja-Dulevič mit dem hohen Titel 'Gerechte unter den Völkern' ausgezeichnet« (aus der Geschichte der Rettung Vladlen Epstejns von Aleksandra Rogačevskaja-Dulevič unter http://db.yadvashem.org/righteous/righteousName.html?language=ru&itemId=...).

Erstellt von Mitarbeitern der Geschichtswerkstatt Minsk