Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

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Čerpatjuk Vanda

Čerpatjuk Vanda

Gruppe 
Gerechte unter den Völkern
Herkunftsland 
Belarus
Geburtsort 
D. Novoselki, Gebiet Grodno
Beruf 
-
Unterbringung/Inhaftierung 
-
Schicksal 
"Gerechte unter den Völkern"
Berichtsart 
Videointerview

Das Vorkriegsleben

In Vandas Heimatsdorf Novoselki lebten keine Juden. Gewöhnlich lernte man Juden während der Fahrten in die Krankenhäuser von Grodno kennen. Dort besuchte Vandas Familie den jüdischen Arzt Vorošilskij.

Die Besatzung und Rettung der Juden

Der Beginn des Angriffs von Deutschland auf die Sowjetunion prägte sich Мanda als Herkommen der Deutschen mit den Motorrädern in ihr Heimatdorf ein, in dieser Zeit wurde die im Jahre 1939 eingerichtete sowjetische Durchlassstelle vernichtet. Weiter gab es keine Deutschen im Dorf.

Das Leben während der Besetzung beschreibt Vanda so: "Wisst ihr, alle saßen mäuschenstill. Saßen – damit niemand uns berührte". (Projekt: Dokumentation der Lebensgeschichten „Gerechte unter den Völkern“, der Interviewer Andrej Mastyka)

Einer Nacht brachte ein Bekannter Charmuško die Juden (Felix und Natalja Vorošilskij), auf einem Fuhrwerk, zuvor hat er sie im Stroh versteckt. Für sie wurde im Stall eine Grube ausgegraben und eingerichtet, darin konnte man sich verbergen. Oben drauf wurde sie mit Stroh zugedeckt. Vanda Iosifovna erinnert sich daran, wie ihre Familie den verfolgten Juden zu überleben half: "Miteinander haben wir fast nie gesprochen. Manchmal brachte ich ihnen was zu essen. Mutter fand einen passenden Augenblick, wisst ihr, wenn es sehr still wurde. Und in der Nacht hat der Vater ihnen zu essen gebracht […] In der Nacht hat mein Vater von ihnen auch diese Eimer ausgetragen." (Ebd.)

Zum Glück der Flüchtlinge hatte Vandas Familie eine Kuh, aber sie reichte auch nicht aus, um alle zu füttern. Deshalb ging Vanda in ein anderes Dorf, um nötige Lebensmittel zu kaufen. Das Geld zur Bezahlung der Lebensmittel gab Charmuško, der seinerseits sie von den Flüchtlingen bekommen hatte. Vanda Čerpatjuk erzählt: "Man hat gegeben, wenn es nötig war. Im Großen und Ganzen haben wir daran gar nicht bereichert. Wie man sagt, da kann ich beim Gott und allem schwören. Ich ging in ein anderes Dorf und sagte, dass – ich sagte nicht, dass es für Juden war – wir brauchten was zu essen, und deshalb hat Charmuško mich geschickt. Charmuško war mein Pate. Und ich sagte, dass Charmuško mich geschickt hatte, hatte gebeten, Butter und paar andere Sachen zu kaufen." (Ebd.)

Ab und zu in der Nacht gingen die Juden aus dem Unterschlupf, um nach frischer Luft zu schnappen. Im Großen und Ganzen verbrachten die Vorošilskijs dort kein volles Jahr. Vandas Familie lebte in dieser Zeit in ständiger Angst. Vanda erinnert sich: "Und wir haben mit ihnen, wisst ihr, immer gezittert. Kommen die Deutschen ins Dorf, da denken wir schon, dass sie wegen uns gekommen sind, wisst ihr, um uns zu erschießen. Ach, wisst ihr, unmöglich, von allem zu erzählen, aber was diese Menschen ertragen haben, das ist überhaupt. Und wir zusammen mit ihnen. Die ganze Zeit, wenn die Deutschen ins Dorf kommen, dann sind unsere Seelen schon irgendwo verloren." (Ebd.) Vanda Čerpatjuk meint, dass sie alle nur reines Glück hatten, weil die Polizisten einen Verdacht hegten, dass jemand sich im Stall versteckt. Aber während der Kontrolle wurde die dort versteckten Juden nicht entdeckt.

Nach dem Krieg zogen die Vorošilskijs nach Polen.

Erstellt von den Mitarbeitern der Geschichtswerkstatt Minsk